Ernsthafte Themen passen nicht in die Ferienstimmung im Piemont. Also gibt es heute reich bebilderte leichtere Kost, beginnend mit einer Weindegustation auf dem ältesten Weingut der Region um Barolo. Im zweiten Teil kommt bei einer Velorunde in den Langhe-Hügeln eine Rückblende. Eine Gedenktafel an einer Kapelle an der Höhenstrasse von Alba an die Ligurische Küste erinnert mich bei jeder Vorbeifahrt an ein lange zurück liegendes warnendes Erlebnis.
Seit den fernen Zeiten des Neins zum EWR-Beitritt im Dezember 1992 beschäftigt das Verhältnis zur EU die politische Schweiz. Über viele Jahre liefen Verhandlungen über ein institutionelles Rahmenabkommen. Aktuell befinden wir uns in einer Konstellation, die eigentlich zwei Volksabstimmungen erfordern würde. Eine erste müsste über die Art des Referendums entscheiden - fakultativ ohne oder obligatorisch mit Ständemehr. Die zweite beträfe das neu ausgehandelte Vertragspaket selbst. Die Anhänger der neuen Verträge versuchen mit allen Mitteln, ein fakultatives Referendum durchzudrücken.
Der englische politische Philosoph Thomas Hobbes hielt nicht viel von der menschlichen Natur. Die Menschen seien von Gier und Neid getrieben. Sie müssten sich deshalb auf einen Souverän, den "Leviathan", einigen, der das Machtmonopol und die notwendigen Mittel besitzt, um einen tödlichen Krieg jeder gegen jeden zu verhindern und dadurch jeden Einzelnen vor Angriffen seiner Mitsubjekte zu schützen. Gibt es in der heutigen Zeit noch Staaten mit Regierungen, die dem Leviathan von Hobbes ähneln?
Die Schweiz als ‹sicherer Hafen› ist als Marketing-Botschaft an die Vermögenden dieser Welt ein erstaunlicher Erfolg. Kaum richteten iranische Drohnen und Raketen im Reichenparadies Dubai die ersten Schäden an, gab es Medienmeldungen über Absetzbewegungen reicher Ausländer Richtung Schweiz. Das ist doch eher erstaunlich, konnte man doch in jüngerer Zeit in den Medien viele unverblümt ehrliche Aussagen von glaubwürdigen Experten über den lamentablen Zustand der Schweizer Armee vernehmen. Auch über das politische Gerangel um mehr Geld für die militärische Sicherheit war viel ernüchternde Information öffentlich im Umlauf.
Ferienhalber gerade wieder im Piemont weilend, präsentiere ich dieses Mal - feriengerecht - nur eine Art Zitatensammlung, allerdings zu dem ganz wichtigen Thema ‹Dekadenz im Schul- und Bildungsbereich›. Das klingt zunächst mal nicht sehr originell, denn mittlerweile sind die Schul- und Bildungsprobleme aus verfehlten Reformen auch in der Öffentlichkeit angekommen. Das war im Oktober 2020 noch nicht der Fall. Damals hatte ich in einem Gastkommentar in der NZZ mit dem Titel «Gute Gründe gegen das Stimmrechtsalter 16» die Frage gestellt, warum man ausgerechnet der handysüchtigsten Altersgruppe das Strimmrecht geben sollte.