Leichtere Kost scheint mir für die Sommerferienzeit angemessen. Es gab diese Woche einige Vorkommnisse, die eines Blogbeitrags würdig gewesen wären, aber andere Medien kamen mir zuvor. Ein eher lokales Ereignis verdient doch einen Kommentar, aber nur als Vorgeplänkel zum Hinweis auf die senegalesische Unternehmerin Magatte Wade, die sagt: "The number 1 rule to keep Africa poor is to keep blaming colonialism for everything."
Vor der jährlichen kardiologischen Kontrolle an der Zürcher Hirslanden-Klinik erhielt ich mit der Terminbestätigung im Anhang zur Mail-Nachricht vier Formulare zum Ausfüllen. Seit Jahren bin ich Patient am Herzzentrum der Hirslanden-Klinik. Alle meine Daten und Unterschriften hatte ich bereits zuvor immer wieder auf Formularen angeben und bestätigen müssen. Alles ist irgendwo abgespeichert oder auf Papier archiviert. Der ganze Leerlauf der eidgenössischen Gesundheitsbürokratie zeigt sich im Vergleich mit dem Prozess eines funktionierenden elektronischen Patientendossiers mit vom Patienten generell autorisierten Zugriffsrechten. Um diese Diskrepanz spürbar zu machen, lohnt es sich, den Aufwand mit den vier Formularen detailliert zu beschreiben.
Die Leute wollen bessere Politiker, was immer das heisst. Und sie nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Auf X kursieren über Bundeskanzler Merz Pinocchio-Karikaturen, aber das ist noch bei weitem nicht die Spitze der Respektlosigkeit. Für politische Kommentatoren stellt sich immer die Frage, wie weit man mit Kritik an Amtsträgern gehen kann oder sollte. Wer meine Artikel im volldaneben-Blog oder in diversen Medien ein wenig kennt, ist vielleicht schon auf persönliche Charakterisierungen gestossen, bei denen man einen gewissen Mangel an Respekt vor dem Amt spüren konnte. Kürzlich habe ich in einem Blog-Beitrag mehrmals von unserer ‹Fukushima-Doris› geschrieben.
Seit der Volksabstimmung zur Einführung einer 13. AHV-Monatsrente im März 2024 wird über die Finanzierung gestritten. Das Thema ist also weiterhin brandaktuell. Es gibt kaum ein Projekt, für das der Vorwurf einer Sozialpolitik mit der Giesskanne berechtigter wäre. Es lohnt sich deshalb, den Gründen vertieft nachzugehen, weshalb das ‹gewöhnlich klug entscheidende Stimmvolk› (Kaspar Villiger) einer solchen Frivolität mehrheitlich zugestimmt hat. Die VOX-Befragungen nach Volksabstimmungen enthalten viel aufschlussreiches Material, das in den Medien nur ungenügend beachtet wird.
In meinem letzten Blogbeitrag kamen die Grünen nicht gut weg. Ich hatte ein Buch mit dem polemischen Titel ‹Grün und dumm› des deutschen Physikers Hans Hofmann-Reinecke erwähnt. Die Grünen verdienen aber eine Ehrenrettung. Bei ihnen weiss man, woran man ist. Bei der CVP/Die Mitte mit Logo in Orange ist dies nicht der Fall. Die Leuthard-Energiewende nach 'Fukushima' war eine Spitzkehre gegen die Kernenergie um 180 Grad. Deshalb ein wenig Polemik im Titel. Der Schaden ist ja gross genug.
Die Abstimmung vom 14. Juni über die Volksinitiative ‹Keine 10 Millionen-Schweiz› hat wieder gezeigt: Politische Journalisten lieben den Stadt-Land-Graben. Kaum waren die Resultate nach Gemeinden bekannt, überboten sich die Medien in Betrachtungen über diesen ominösen Graben. Sogar im Weltblatt NZZ stand: «Ein Blick auf die Gemeindekarte zeigt einen Stadt-Land-Graben: Ausgerechnet dort, wo der Dichtestress wahrscheinlich am grössten ist, stimmten die Menschen eher Nein.» Auch Professor Reto Knutti, der bekannte ETH-Klimaforscher, lieferte seine Analyse - mit einer kaum versteckten politischen Botschaft.