Westliche Energiewenden profitieren von chinesischen Technologien und Produkten
Über Chinas Energie- und Klimapolitik kursieren allerhand stereotype Meinungen, die sich teils zu widersprechen scheinen. Einerseits liest man von einem enormen Zubau von Solar- und Windenergie. Auch bei der fast CO2-freien Kernenergie machen die Chinesen auf Tempo und sind inzwischen auch technologisch führend. Anderseits wird China mit seinem massiven Zubau von Kohlekraftwerken immer wieder als Hauptverursacher des weltweiten CO2-Ausstosses angeprangert.
Was ist nun richtig? Auf welche Geschichte soll man sich verlassen? Könnte beides zutreffen? Mir waren die anteiligen Grössenordnungen der Energieträger lange Zeit auch nicht klar. Jüngst entdeckte ich nun auf der Online-Newsplattform Doomberg die folgenden neusten Daten aus dem ‚Statistical Review of World Energy‘:
Chinas globale Rolle
Chinas Kohleverbrauch machte gemäss Doomberg 56 Prozent des weltweiten Verbrauchs aus. Das ist das 20-fache des aktuellen Gesamtverbrauchs der 27 EU-Mitgliedstaaten. Seit dem Jahr 2000 hat China seinen Kohleverbrauch verdreifacht. Gemäss Doomberg/Financial Times sollen dieses Jahr in China 85 neue Kohlekraftwerke in Betrieb gehen. Aufgrund dieser paar kruden Zahlen kann man China tatsächlich als ‚CO2-Hauptverschmutzer‘ anklagen – trotz hohen Zuwachsraten bei den Erneuerbaren.1
Diese Perspektive ist jedoch zu regional. Korrekt ist eine globale Sicht der Rolle von China. Die stark fossil-basierte chinesische Energieversorgung der Wirtschaft ermöglicht den westlichen Ländern, ihren CO2-Ausstoss zu senken, und zwar auf zweierlei Art. Einerseits verlagerten westliche Unternehmen CO2-lastige Produktionen in asiatische Länder, vornehmlich nach China. Anderseits erleichtern chinesische Technologie und Produkte in den Bereichen der Erneuerbaren, der Kernenergie und der Elektrifizierung generell (Batterien) weltweit den Übergang in eine CO-arme gesellschaftliche Realität.2 3
Dabei gibt es für eine sichere, wirtschaftlich tragbare Energieversorgung keinen Blueprint, der für alle Länder gelten könnte, weil die geographischen und klimatischen Bedingungen eine extreme Breite der natürlichen Voraussetzungen bilden. Wie die Politik damit umgeht, ist eine andere Frage.
Energiewenden gefährden die Versorgungssicherheit
In den Ländern mit ideologisch aufgeladenen Energiewenden und fundamentalistischen Widerständen gegen die Kernenergie droht ein industrieller Niedergang, wie er in Deutschland bereits spürbar ist. Das sture Festhalten an illusionären Klimazielen – 1,5 Grad/netto null 2050 – sowie an einer durch die Praxis bereits widerlegten Energieversorgung nur mit Erneuerbaren fordert einen hohen volkswirtschaftlichen Preis. Auch in der Schweiz wird die Versorgungssicherheit (Stichworte: Winterstromlücke, Sommerüberschüsse und Netzüberlastungen) immer deutlicher zu einer zentralen Herausforderung der kommenden Jahre. Es braucht eine Abkehr von der überstürzten Leuthard-Energiewende, weil deren Gelingen von Beginn weg auf unrealistischen Annahmen beruhte.
Was energie- und klimapolitisch bestimmt nicht funktionieren wird, sind die grünen Rezepte, beruhend auf ineffizienten Subventionen sowie auf Wachstums- und Konsumbeschränkung („degrowth“), um den CO2-Ausstoss zu senken, egal wie hoch die Kosten sind. Das Programm der Klimafonds-Initiative der Grünen, über die wir im März abstimmen, ist ein abschreckendes Muster einer solchen Politik. Die Frage, wie viel denn eine Tonne in der Schweiz reduziertes CO2 kostet – ganz abgesehen vom nicht messbaren Effekt auf das Klima – wird gar nicht gestellt. Stattdessen serviert man der Öffentlichkeit das luftige Pauschalargument, was wir jetzt in ‚Klimaschutz‘ investieren, schütze uns vor viel höheren Klimaschäden in der Zukunft. Unterschlagen wird dabei, dass eine solche Betrachtung allenfalls zulässig wäre, wenn sie die ganze Welt im Blick hätte. Für eine schweizerische klimapolitische Abstimmungskampagne ist sie sachlich voll daneben. Aber die Kampagnenmacher wissen natürlich auch, dass es immer Leute gibt, die auf solche Propaganda hereinfallen.
Ein ganz kleiner Lichtblick
Seit dem 21. Januar 2026 gibt es nach dem klaren Entscheid der Energiekommission des Ständerats, das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufzuheben, immerhin einen Lichtblick. Allerdings ist dies erst ein winziger Schritt auf dem beschwerlichen Weg zu neuen AKW. Genau wie bei Projekten für Solar-, Windanlagen und Wasserkraft gibt es auch für neue AKW im Gewirr der eidgenössischen Verzögerungs- und Verhinderungsinstitutionen kein „express“. Der politisch-regulatorische Hindernislauf ist sogar noch schlimmer. Die Gegner der Kernenergie werden keine Referendums- und Beschwerdemöglichkeit auslassen, um Projekte zu bekämpfen. Das erklärt, weshalb in der Schweiz kaum jemand den Kopf schüttelt, wenn mit grösster Selbstverständlichkeit erklärt wird, dass die Kernenergie für ’netto null 2050′ nichts bringe, weil vor 2050 kein neues AKW in Betrieb gehen werde.4
- Ein treuer Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass China daran arbeitet, die Kohleverarbeitung ’sauber‘ zu machen. Siehe hier. ↩︎
- Für ein chinesisches e-Auto, das nach Europa exportiert wird, fällt der CO2-Ausstoss bei der Produktion in China an, aber die CO2-Vermeidung in Europa. Das wird auch als ‚grüner Export‘ bezeichnet. ↩︎
- Dass China nach Aufnahme in die WTO nie korrekt nach den WTO-Regeln operiert hat, ist ein anderes Thema, das hier nicht vertieft behandelt werden kann. Damit verbunden ist auch die seit Jahrzehnten praktizierte Manipulation des Wechselkurses. Die Währung eines Landes mit chronischen massiven Aussenhandelsüberschüssen müsste natürlich aufwerten. ↩︎
- In der VSE-Studie Energiezukunft 2050 wird ausdrücklich gesagt, dass mindestens bis 2050 keine AKW gebaut werden. In dieser Studie wird im Prinzip nur die Leuthard-Energiewende mit ihren illusionären Annahmen neu aufgewärmt, mit vielen Zahlen garniert und mit einer wichtigen Änderung: Die Strombedarfsprognosen werden stark nach oben korrigiert, was die Energiewende noch wolkiger macht. ↩︎



Irgendwie zeigt dieser Artikel die ganze Lebenslüge, der wir in Europa aufgesessen sind.
Nach allen öffentlichen Informationen muss doch auch der entscheidene Beschluss im Bundeshaus gefasst werden, dass NULL Windräder (und Solarpanels im Grossformat) in der Schweiz gebaut werden dürfen. Die Fragen, welche anstehen, müssen lauten: Sind die Entscheidungsträger bereits im Bilde, und wie werden sie sich trotz Druck der Profiteure der Energiewende durchsetzen können und wann. Das ist vielleicht zu einfach gefragt. Weitere Fragen erwünscht.
Und noch eine andere Überlegung: China ist der Hauptlieferant von Solarpanels (Silber!) und Motoren für Windräder (Seltene Erden!), um nur wenige Rohstoffe zu nennen. In dem Bereich könnte China eine weitere Daumenschraube für den Westen und speziell für die Schweiz anziehen, wenn nötig.