Die Armee im Schraubstock der Schuldenbremse

Gesichertes Bundeshaus, im Volksmund früher auch „Ochseschüür“ genannt
(Bild generiert mit Google Gemini)

HAUPTARTIKEL

Der nachfolgende Text erschien heute als Gastkommentar in der NZZ. Vor gut zwei Jahren hatte die NZZ bereits meinen Gastkommentar mit ähnlicher Stossrichtung publiziert. Etwas später folgte noch ein längerer Artikel in der WELTWOCHE. Beide Artikel finden Sie über diesen Link. In der Annahme, dass nicht alle meine Blogleser den neuen Artikel bereits gelesen haben und dass auch nicht alle NZZ-Abonnenten sind, publiziere ich hier den Text noch im Wortlaut:

Nachbemerkungen
Es gäbe natürlich noch andere Finanzierungsvarianten als eine Kreditverschuldung des Bundes. Der Bund könnte endlich die Liberalisierung und Privatisierung von früheren Staatsmonopolen mit längst verlorenem ‚Service-Public‘-Charakter zu Ende bringen. Der Verkauf der 51-Prozent-Beteiligung an Swisscom brächte allein schon etwa CHF 15 Milliarden – zugegeben, bei gleichzeitigem Wegfall der Dividenden. Der Erlös würde genügen, um die von Experten geforderten 70 F-35-Kapfflugzeuge zur lückenlosen Luftraumüberwachung zu beschaffen. Und dann ist auch die Privatisierung der Postfinance längst überfällig. Dies nicht zuletzt, um diese hundertprozentige Staatsbank von den unternehmerischen Fesseln zu befreien, welche die Politisierung der Bank mit sich bringt. Allerdings gehören beide Varianten wegen dem Höchstrisiko erfolgreicher Referenden in den Bereich des Wunschdenkens.

Gestern meldete die NZZ noch, die Schweiz gebe jetzt schon CHF 8,6 Mrd. aus und nicht nur die rund CHF 6 Mrd., die im Armeebudget des Bundes erscheinen: „Mitten im Streit um das Armeebudget präsentiert der Bundesrat die erste Vollkostenrechnung seit dreizehn Jahren. Sie zeigt, dass die Schweiz bereits 1 Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Verteidigung einsetzt.“

Da stellt sich natürlich die Frage, wie es möglich ist, jedes Jahr über CHF 8 Mrd. auszugeben und gleichzeitig die Armee auf das von allen massgebenden Experten bescheinigte Niveau der Nichtverteidigungsfähigkeit abzuwracken. Ich vermute, dass man die Kosteneffizienz im Bereich der Militärausgaben ungefähr nach den diversen Debakeln mit IT-Projekten beurteilen muss. Dazu kommt das exorbitante schweizerische Preisniveau für Inlandleistungen, welche die Armee hauptsächlich bezieht. Die Kaufkraft des Frankens für den Aufbau und die Erhaltung der militärischen Sicherheit ist bescheiden. Für die Schweiz ist deshalb ein Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) als Vorgabe für das Verteidigungsbudget ganz klar zu wenig. Wir brauchen mindestens zwei Prozent, um jemals wieder verteidigungsfähig zu werden.

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