Es wird wieder Velo gefahren

Spontaner Bilderbericht von der Grossen Aperorunde

Grosse Aperorunde: Start in Monforte d’Alba, 75 km im Uhrzeigersinn, 1’260 Höhenmeter

Nach drei schwereren Blogartikeln zur Energiepolitik kommt diese Woche leichtere Kost aus dem Herzen des Piemont, wo ich mich gerade für ein paar Tage aufhalte. Im April bei einem Velosturz an mehreren Stellen frakturiert und wieder zusammengeflickt, steigt der Blogger nun wieder aufs Rennvelo. Gestern war die Grosse Aperorunde als eine Art Testfahrt auf dem Programm. Velofahrende Insider, die mich schon mal hier unten besucht haben, wissen: Es gibt – abhängig von der Ankunftszeit und vom Trainingsstand – eine Kleine, eine Mittlere und eine Grosse Aperorunde. Wenn jeweils Gäste von zu Hause kurz nach dem Mittag hier eintrafen, reichte die Zeit für die Grosse Aperorunde. Man startete etwa um 14 Uhr und erreichte das Caffè della Riviera in Dogliani für den Apero zwischen 17.30 und 18.00 Uhr.

Die Ortsnamen auf und an der Strecke klingen für den Italienfreund wie Musik: Novello, Barolo, La Morra, Diano d’Alba, Montelupo Albese, Serravalle Langhe, Cissone, Albaretto della Torre, Bossolasco, Murazzano, Dogliani.

Teilstück Monforte – La Morra
Von Monforte d’Alba führt die Strecke zuerst nach steilem Aufstieg nach Novello oberhalb von Barolo Richtung La Morra. Man befindet sich im UNESCO Kulturerbe der Weinregion Langhe-Roero e Monferrato.

Blick auf La Morra von oberhalb Barolo

Teilstück La Morra – Gallo/Grinzane Cavour – Diano d’Alba
Von La Morra folgt eine Abfahrt hinunter Richtung Alba. In Gallo (auf der Garmin-Karte oben bei der Nummer 4) zweigt man ab in einen längeren Aufstieg nach Diano d’Alba. Dabei kommt das Castello Grinzane Cavour ins Blickfeld. Es enthält ein historisches Museum. Zudem kann man Wein kaufen.

Castello di Grinzane Cavour

Teilstück Diano d’Alba – Bossolasco
Von Diano d’Alba führt dann eine Höhenstrasse Richtung Süden. Die Strecke ist Teil einer bei Motorradfahrern beliebten Verbindung zwischen Alba und Savona an der ligurischen Küste. An Wochenenden erlebt man als Velofahrer eine wahre Töffplage. Es geht dann immer leicht nach oben bis man nach 20 km nach Bossolasco gelangt. Wer hier eine süsse Zwischenverpflegung wünscht, ist mit der Konditorei L’Albero Delle Galline bestens bedient.

Pasticceria L’Albero Delle Galline in Bossolasco

Teilstück Bossolasco – Murazzano
Auf der Grossen Aperorunde verlässt man die Hauptstrasse einige Kilometer nach Bossolasco und erreicht Murazzano, einen beliebten Ausflugsort mit einer Kaffee-Bar und dem sympathischen Ristorante Da Lele mit typischer regionaler Kost. Vom bescheidenen Äusseren auf die Qualität und Atmosphäre drinnen zu schliessen, wäre ein Fehler.

Trattoria Da Lele, an diesem Tag gerade geschlossen

Teilstück Murazzano – Dogliani
Von Murazzano geht die Aperorunde dann hinunter nach Dogliani. Man fährt auf der kleinen Strasse, die in umgekehrter Richtung als „Jacques Anquetil“ einen Streckenteil der Salite dei Campioni bildet. Unterwegs lassen sich Sturzrisiken vielleicht mit einem kurzen Stossgebet bei einer Gebetsstation mindern.

Bethäuschen zwischen Murazzano und Dogliani

Apero im Caffè della Riviera
In Dogliani folgt nun im Caffè della Riviera der wohlverdiente Programmpunkt Apero, dieses Mal nur mit „birra piccola“. Dazu gibt’s jeweils ungefragt und ohne Aufpreis einen kleinen Teller mit Häppchen.

Wohlverdienter Apero im Caffè della Riviera in Dogliani nach 68 Velokilometern

Teilstück Dogliani – Monforte d’Alba
Nach dem Apero fehlen noch gut 7 km bis zurück und hinauf nach Monforte d’Alba. Unterwegs sieht die Strasse an vielen Stellen so aus wie dutzendweise auf der ganzen Aperorunde. Das Bild steht für mich irgendwie symbolisch für den Abstieg europäischer Wohlfahrtsstaaten, die nach dem Motto leben: Umverteilen ist wichtiger als produzieren. Oder konsumieren ist wichtiger als investieren. Diesen kurzen Ausflug ins allgemein Politische konnte ich nicht unterdrücken.1

Typisches Bild vom Zustand der Staatsstrassen in der Region um Monforte D’Alba

Zurück in Monforte ist der Besuch in der Gelateria am Hauptplatz schon fast obligatorisch. Es empfiehlt sich eine kleine Portion, damit der Appetit für das Nachtessen in einer der vielen exquisiten Osterie, Locande oder Trattorie in der Gegend nicht beeinträchtigt wird.

Der Chef in der Gelateria in Monforte

Die letzten 100 Meter bis zur Wohnung an der Via Fracchia 21 sind mit einer 15%-Steigung noch eine letzte Herausforderung. Schliesslich darf auch ein Selfie nicht fehlen: Foto von unterwegs mit chinesischen Velohosen aus dem Intersport im Mondovicino Shopping Center nach dem ungefähr fünfzigsten Waschgang.

Was ergab nun diese Testfahrt fünf Monate nach dem Velosturz? In früheren Zeiten galt die Grosse Aperorunde als Aufwärmefahrt für eine grössere Tour am nächsten Tag. Heute ist die Grosse Aperorunde gut und gerne ein Tagesprogramm. Nun scheint aber heute, nach einem heftigen nächtlichen Gewitter mit Stromausfall, bei 25 Grad die Sonne wieder, so dass man den Tag nicht ungenutzt verstreichen lassen kann. Die Mittlere Aperorunde liegt sicher noch drin.

P.S. Bitte beachten, dass dieser Beitrag unter der Kategorie „Altersvorsorge“ publiziert ist.

  1. Die Staatsschulden Italiens belaufen sich auf 138 Prozent des BIP. Frankreich steht kurz vor dem Staatsbankrott. Deutschland hat die eigene Schuldenbremse ausgehebelt. Die Maastricht-Kriterien sind tot. Der politische Opportunismus grassiert besonders in den grossen EU-Staaten. Die vom Sockel stürzende Angela Merkel, Grossmeisterin des politischen Opportunismus, gab auch hier ihr berühmt-berüchtigtes Motto der Alternativlosigkeit durch: „Wenn der Euro scheitert, scheitert Europa.“ Die ehemals „mächtigste Frau der Welt“ verwechselt die EU mit Europa. Kein Wunder weckt die heutige EU in der schweizerischen Bevölkerung kaum mehr Sympathien. ↩︎

2 thoughts on “Es wird wieder Velo gefahren”
  1. Chapeau! Nach dem schweren Unfall und dem vorgerückten Alter ist das eine herausragende Leistung. Vorbildlich für alle Jüngeren.

Comments are closed.