Klima-Wokeness an der ETH

180 ‚Carbon Majors‘ im Fokus der ETH-Klimaforschung

The most powerful movements are built through aggressive litigation.
Abigail Dillen, Präsidentin der Umwelt-NGO ‚Earthjustice‘

Abigail Dillen: „Die mächtigsten Bewegungen entstehen durch aggressive Prozessklagen.“ Unsere ETH hilft dabei. Wokeness in Form der Unterstützung einer progressiven Agenda gibt es auch in der Klimaforschung. Am 10. September erschien in der renommierten Wissenschaftszeitschrift ‚Nature‚ eine Studie der ETH Zürich (ETHZ) mit dem Titel ‚Systematic Attribution of Heatwaves to the Emissions of Carbon Majors‘ (Systematische Zuordnung von Hitzewellen zu den Emissionen wichtiger Kohlenstoffemittenten). Am Schluss des ‚Abstract‘ steht folgender Satz: „Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die Beweislücke zu schliessen, um die Verantwortlichkeit für historische Klimaextreme zu klären.“ Die Autoren schreiben, es gehe um die Ausweitung der Zuordnung von Klimaextremen bis zu den Emittenten, damit diese gerichtlich belangt werden können. 180 ‚Carbon Majors‘ bilden im Paper der ETHZ die Gruppe der grössten Emittenten.

Auf Publizität bedacht
Laut Roger Pielke jr., dem US-amerikanischen Politikwissenschafter und prominenten Zurechtrücker alarmistischer Verlautbarungen aus der politisierten Klimaforschung, ist es typisch, dass Studien zur Attribution von Klimaereignissen über Pressemitteilungen beworben werden. Man kann davon ausgehen, dass auch die Forschergruppe der ETHZ eine Medienmitteilung verschickt hatte. Unser staatlich eingerichtetes und steuerfinanziertes Radio SRF1 berichtete jedenfalls bereits am Abend des 10. September, am Tag der Publikation des Papers, über dessen Hauptergebnisse – selbstverständlich ohne jegliche Kritik oder Vorbehalte. Der Bericht von Radio SRF1 mit dem Titel ‚Die Schuld der Klimasünder an Hitzewellen‘ klang über weite Strecken wie kopiert aus einer Medienmitteilung. Er machte eine klare Aussage über das Hauptziel solcher Klimaforschung: „Dank dieser Studien dürfte es künftig möglich werden, einzelne Konzerne für ihre Mitschuld an der Klimaerwärmung vor Gericht haftbar zu machen.

Man gibt an unserer staatlich finanzierten Renommier-Hochschule ohne Skrupel zu, dass man den Bestrebungen, die klimapolitische Debatte dem politischen Bereich zu entziehen und auf Gerichte zu verlagern, mit dieser Art von Attributionsforschung wissenschaftliche Munition liefern will. Um alle Zweifel auszuräumen, worum es geht: der bereits erwähnte Roger Pielke jr. zitiert die leitende Wissenschafterin der ‚World Weather Attribution-Initiative‘, Friederike Otto: „Anders als in allen anderen Zweigen der Klimawissenschaft oder der Wissenschaft im Allgemeinen wurde die Attributionsforschung ursprünglich im Hinblick auf die Gerichte vorgeschlagen.“ Das ist bis heute ihr wesentlicher Antrieb, wie die ETHZ-Studie beweist.

Studienziel: Das Schliessen der Beweislücke
Aus dem ‚Abstract‘ der ETHZ-Studie erfährt man: Hier zeigen wir, dass der Klimawandel 213 historische Hitzewellen, die zwischen 2000 und 2023 gemeldet wurden, wahrscheinlicher und intensiver gemacht hat, wozu jeder der 180 grossen Kohlenstoffproduzenten (Produzenten fossiler Brennstoffe und Zement) erheblich beigetragen hat…. Die Emissionen der grossen Kohlenstoffproduzenten tragen zur Hälfte zur Zunahme der Hitzewellenintensität seit 1850–1900 bei. Je nach Kohlenstoffquelle ist ihr individueller Beitrag hoch genug, um das Auftreten von 16–53 Hitzewellen zu ermöglichen, die in einem vorindustriellen Klima praktisch unmöglich gewesen wären.

Die Autoren sorgen sich nicht um die Gefahr, zu viel Komplizenschaft mit einer bestimmten politischen Agenda zu zeigen. Dazu ein Abschnitt aus dem Paper (übersetzt mit Google): „Klimabezogene Gerichtsverfahren nehmen zu, in denen die Kläger Entschädigungen für Verluste und Schäden fordern oder ehrgeizigere Klimaschutzmassnahmen von Unternehmen und Staaten verlangen…. Obwohl diese Arbeit darauf abzielt, wissenschaftliche Lücken zu schliessen, füllen die Ergebnisse auch Beweislücken. Diese systematische Zuordnung verbessert die Abdeckung extremer Ereignisse und stärkt so das Potenzial der Attributionswissenschaft für Klimaprozesse.

Die politische Agenda der Attributionsforschung
Die wissenschaftlich kontrovers diskutierte Attributionsforschung ist ein politisierter Arm der Klimaforschung, weil sie direkt einer politischen Agenda dient. Das Anliegen, die Durchsetzung einer rabiaten Klimapolitik auf Gerichte zu verlagern, ist in aktivistischen progressiven Kreisen besonders populär. Wer im politischen Markt ‚Klimakatastrophe‘ aktiv ist, dem geht es über die Politik viel zu langsam. Die Menschen mögen zwar in Umfragen oder Abstimmungen einer ‚ambitionierten Klimapolitik‘ inklusive netto null-Zielen zustimmen, aber wenn die Folgen im Alltag konkret und die Kosten sichtbar werden, stockt die ‚Energiewende‘.1 Deshalb versuchen jetzt die Klimaaktivisten in den progressiven Institutionen in konzertiertem Vorgehen mit Präjudizurteilen gegen grosse ‚Klimasünder‘ eine Klagewelle auszulösen, um über Gerichtsurteile eine härtere Gangart der Politik zu erzwingen.

Beispielhaft dafür steht die Klage von vier Bewohnern der indonesischen Pazifikinsel Pari, die vom Schweizer Zementkonzern und ‚Carbon Major‘ Holcim Entschädigungen fordern. Ihr Vorwurf lautet, der für sie schädliche Anstieg des Meeresspiegels sei von Holcim mit verursacht. Wie üblich bei solchen publikumswirksam inszenierten Prozessen sind die treibenden und finanzierenden Kräfte dahinter potente Umwelt-NGO wie Greenpeace, im Fall von Holcim ganz zuvorderst sogar das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz HEKS. Das Timing des ETHZ-Papers, zusammen mit dem Radiobericht auf SRF1, scheint übrigens verdächtig genau auf den bald beginnenden Prozess am Zuger Kantonsgericht abgestimmt.

Dass sich eine Hochschule wie die ETHZ an solchen Bestrebungen aktiv beteiligt, kann nicht verwundern. Die politisch-ideologische Ausrichtung des Hochschul-Oberbaus ist genauso nach links-grün verzerrt wie in den Medien und bei den Umwelt- und Klima-NGO. Und es sind auch diese drei Akteure, die ihre Auffassung von Klimapolitik künftig in gemeinsamen Anstrengungen über Gerichtsprozesse beschleunigen wollen. Dabei hilft, dass auch die Gerichte zunehmend vom Personen besetzt sind, die progressiven Anliegen wohlwollend gesinnt sind. Wir haben es mit einem abgestimmten Zusammenwirken von vier einflussreichen Akteuren zu tun. Zusammen mit den staatlichen Umweltbürokratien sind es sogar fünf.

Naive wirtschaftliche Denkkonzepte
Mit welcher Begründung soll man einzelne Konzerne für ihre Mitschuld am Klimawandel haftbar machen? Warum nicht Klagen gegen die amerikanische, chinesische oder russische Regierung? Das Paper der ETHZ gibt dazu keine Antwort. Auf diese kommt man selber ohne grosse Denkanstrengung. Die ‚Carbon Majors‘ sind als Klageopfer am besten geeignet. Sie sind gross, sichtbar, finanziell potent und gerichtlich am einfachsten einklagbar. Zudem haben sie in der Bevölkerung kaum Sympathien. In der Studie steht kein Wort davon, dass die ‚Carbon Majors‘ eine Nachfrage beliefern. Nur lässt sich schwerlich gegen die weltweit verstreute Nachfrage nach fossiler Energie gerichtlich vorgehen.

Die Attributionsforscher der ETHZ-Studie schauen mit einem Tunnelblick auf eine einzelne Auswirkung wirtschaftlicher Tätigkeit, nämlich die angebliche Schädlichkeit des CO2-Ausstosses einzelner Emittenten, gemessen am Einfluss auf Hitzewellen. Sie tun dies, ohne die umfassenderen wirtschaftlichen Folgen unternehmerischer Aktivitäten zu berücksichtigen.2 Welche schädlichen Auswirkungen Hitzewellen auch immer haben, sie sind verschwindend gering im Vergleich zu den überwältigenden Vorteilen, die fossile Brennstoffe der Welt gebracht haben und weiterhin bringen.

Der wirtschaftliche und politische Denkansatz der ETHZ-Autoren ist bedenklich beschränkt. Ihr Leuchtturm ist anscheinend die Phantasiewelt der UNO, wie sie UNO-Generalsekretär und oberster Klimaalarmist Antonio Guterres vertritt. Er sprach, ohne Rückhalt in den Berichten seines UNO-Weltklimarats IPCC, von einem ‚Klimanotstand‘ und warnte vor dem ‚Klimakollaps in Echtzeit‘. Wenn es um die Einmischung in die Klimapolitik geht, möchte man den ETHZ-Studienautoren zurufen: ‚Schuster bleib bei deinen Leisten!‘

  1. Laut Roger Pielke wirkt ‚the iron law of climate policy‘: Wenn Umwelt- und Wirtschaftsziele miteinander in Konflikt geraten, gewinnen die wirtschaftlichen Ziele. Der Microsoft Copilot erläutert dieses ‚eiserne Gesetz der Klimapolitik‘ so: „Menschen sind zwar bereit, gewisse Kosten für den Klimaschutz zu tragen – aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Sobald Klimapolitik als Bedrohung für wirtschaftliches Wachstum oder persönliche Lebensqualität wahrgenommen wird, sinkt die Unterstützung rapide.“ ↩︎
  2. Der eingeklagte schweizerische Zementkonzern Holcim ist übrigens bei den Bemühungen, einen CO2-reduzierten Beton zu entwickeln, an vorderster Front dabei. ↩︎

4 thoughts on “Klima-Wokeness an der ETH”
  1. Attributionsforschung ist junk science. Denn sie basiert auf dem Vergleich heutiger Zustände und Ereignisse mit fiktiven Zuständen und Ereignissen in einer menschenleeren Welt. Das sind per Definition nicht überprüfbare Modelle, da sie auf nicht überprüfbaren Annahmen aufbauen. Zustände einer menschenleeren Welt können basierend auf geologischer Evidenz zwar postuliert werden. Doch aus geologischer Evidenz kann unmöglich auf Häufigkeit und Intensität vonWetterereignissen geschlossen werden.

  2. Einverstanden mit dem Autor bin ich, dass Klagen gegen Konzerne nicht der richtige Weg im Kampf gegen den Klimawandel sind. Als ich davon erfahren habe, dass das HEKS die Klage gegen Holcim unterstützt, habe ich meine Spendentätigkeit sofort eingestellt.
    Nicht einverstanden bin ich jedoch – ohne dies belegen zu können – mit der Aussage, dass die Vorteile fossiler Brennstoffe grösser seien als die Schädlichkeit des CO2-Austosses.

    1. Ohne fossile Brennstoffe würden wir heute nicht viel besser leben als die Menschen vor 200 Jahren: hohe Kindersterblichkeit, niedrige Lebenserwartung, bedeutet Milliarden verlorener Lebensjahre, Verzicht auf alles, was unseren heutigen Komfort und unsere Lebensqualität ausmacht.

  3. Frage: Die Leute von der ETH sollen doch mal darlegen, aus elchen Gründen das am wirksamste Klima-Gas H2O in der Athmosphäre
    (ca. 15 000 ppm) in den Simulations-Algorhytmen vom IPCC und assozierten Organisationen nicht berücksichtigt wird ?

    Man kann die Antwort mit Spannung erwarten.

    Mit freundlichen Grüssen

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