Meloni macht weiter…

…und Google Gemini produziert einen kapitalen Flop

Am vergangenen Wochenende, dem 22. und 23. März 2026, fand in Italien ein wichtiges Verfassungsreferendum zu einer Justizreform statt. Richtig, Volksabstimmungen gibt es auch in Italien! Während des Referendums über eine grundlegende Neugestaltung der ineffizienten italienischen Justiz («Referendum Giustizia») weilte ich gerade in Monforte d’Alba im Piemont.

Doch am Montag, dem zweiten Tag des Referendums, profitierte ich zunächst vom unwiderstehlichen Velowetter, bevor ich mich später mit Politik befasste.


Selfie von unterwegs in Richtung Bonvicino am 23. März

Am Abend stiess ich dann auf RAI2 auf eine Diskussionssendung über das Referendum.

Verpasstes Quorum im Parlament
Das «Referendum Giustizia» war eine sogenannte bestätigende Volksabstimmung (Referendum costituzionale). Da das Parlament die von der Regierung Giorgia Meloni vorgeschlagene Verfassungsreform zwar verabschiedet, die Vorlage aber nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht hatte, musste das Volk entscheiden.


Diskussionssendung auf RAI2 über das Referendum Giustizia von 22./23. März (eigenes Bild)

Ich konnte der Diskussion nicht entnehmen, ob Giorgia Meloni mit ihrer Justizreform erfolgreich war. Die schnell sprechenden Moderatorinnen, Journalisten und Politiker nahmen auch keine Rücksicht auf ausländische Zuschauer mit limitierten Italienischkenntnissen.

Google Gemini verwechselt die Vorzeichen
Mich interessierte aber das Ergebnis dringend. Also fragte ich wieder einmal Google Gemini, da ich mit dieser KI-Hilfe eigentlich gute Erfahrungen gemacht hatte. Ich stellte folgende Frage:
In Italien fand am letzten Sonntag eine Volksabstimmung unter dem Titel «Referendum Giustizia» statt. Worum ging es dabei, welches war die Fragestellung? Welches war das Resultat des Referendums? Zustimmung oder Ablehnung?

Die gekürzte und leicht redigierte Antwort lautete:

Ich wollte dann wissen, ob auf nzz.ch zum Referendum bereits ein Kommentar erschienen war. Das war tatsächlich der Fall, und dort stand, dass die Justizreform Melonis gescheitert sei. Ich wandte mich also erneut an Google Gemini und wies mit Bezug auf die NZZ auf die kapitale Fehlmeldung hin. Hier die Reaktion:

Meloni macht weiter
Das klang nun ganz so, wie wenn sich Google Gemini im NZZ-Bericht bedient hätte. Dort fand man auch den Untertitel: Meloni: Wir machen weiter. Zudem gab es einen Hinweis auf ein ‹instant poll› des Instituts Youtrend folgenden Inhalts: Trotz des Nein-Sieges im Referendum ist eine absolute Mehrheit der Italiener der Ansicht, dass Giorgia Meloni weiterhin die Regierung führen sollte. Es scheint, dass Melonis Koalition durchaus Chancen hat, bei den Wahlen im nächsten Jahr gut abzuschneiden.

Noch eine Velorunde
Es ist für den eigenen Gemütszustand entlastend, wenn man sich über einen Beschluss des Stimmvolks nicht zu ereifern braucht, weil es nicht das eigene Stimmvolk ist. Am Tag nach dem Referendum entschied ich mich dann für einen schon fast übermütigen Leistungstest mit vielen Höhenmetern. Dies war die Strecke:


Velorunde vom 24. März.
(Die Zahlen markieren 5km-Abschnitte)

Je blauer, desto langsamer, je röter, desto schneller. Die traditionelle Zwischenverpflegung in der Bar/Pizzeria in Gorzegno bei Ziffer 8 fiel aus – Dienstag Ruhetag. In Monesiglio bei Ziffer 10 rettete mich eine Bar vor einem sich ankündigenden Hungerast. Meine Bestellung: 2 üppige Croissants, 2 verpackte Biscotti, 1 Cappuccino, 1/2 l Mineral, 1 Coca Cola. Alles zusammen für 9 Euro. Die Energiezufuhr reichte dann gut für die restlichen 38 Kilometer.

Den allgemeinen Strassenzustand erlebte ich wiederum so, dass mir ein italienisches Projekt zur Renovation des staatlichen Strassennetzes mindestens so wichtig erscheint wie eine Justizreform. Das ist die besonders geschärfte Sicht des Velofahrers, der immer wieder Löchern, Rissen und Spalten ausweichen muss und der auf längeren Abschnitten oft dermassen durchgeschüttelt wird, dass im Bidon aus Rahm ohne weiteres Schlagrahm würde.

One thought on “Meloni macht weiter…”
  1. Die Nutzung von Large Language Models wie Gemini, um gegenwärtigen Informationen zu sammeln, ist nicht zu empfehlen. Die Modelle werden nicht synchron mit der Aktualität trainiert und spiegeln nicht unbedingt die offiziellen Informationen wider, sondern die Presse und Medien, zunächst in der Sprache des Benutzers.
    Besser sucht man in den Mitteilungen der Ministerien, in den Nachrichten von Presseagenturen wie Reuters, AP, AFP, UP sowie in den wesentlichen lokalen Zeitungen.

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