Typisches Muster eines verzerrten Berichts über Klimaschäden
Ausschnitt aus Sky News Australien
Übersetzung: Sich vervielfachend, kumulativ, gleichzeitig: 40 Milliarden Dollar könnte der Klimawandel die Australier bis 2050 jährlich kosten, warnt ein neuer Regierungsbericht.
(Quelle: Roger Pielke – The Honest Broker)
Der bekannte US-amerikanische Unmweltwissenschafter Roger Pielke jr., der gerade für Vorträge, Interviews und Forschungsgespräche in Australien weilt, fragt in seinem Newsletter ‚The Honest Broker‘: Sagt dieser Bericht wirklich, was auf Sky News verbreitet wurde?
Ein exemplarischer Fall
Da der Zugang zu Pielkes Substack-Blog „The Honest Broker“ nicht gratis ist, mache ich Pielkes Kommentar hier in einer deutschen Übersetzung zugänglich. Es geht dabei keineswegs um einen Einzelfall, sondern die alarmistisch verzerrte Wiedergabe eines solchen Berichts steht exemplarisch für die Verbreitung von falschen Interpretationen von Studien der Klimaforschung durch politische Akteure und die Medien. Als politischer Akteur tritt hier Australiens Nationale Klimarisikobewertung (Australia’s National Climate Risk Assessment NCRA) in Erscheinung.
Bei Sky News ging man natürlich nicht im sogenannten „Colvin-Bericht“ überprüfen, ob die Regierung via NCRA dessen Ergebnisse korrekt vermittelt hatte. Das tat aber Roger Pielke – eine Rolle, die er mit akribischem Rückgriff auf Daten und Quellen schon lange gegen Klimaalarmismus in Politik und Medien ausübt. Dafür nahm er an seiner früheren Alma Mater, der Universität Boulder (Colorado), Nachteile und Rückstellungen in Kauf, so dass er sich zu einem freiwilligen Abgang entschloss. Natürlich wurde auch schon versucht, ihn als „Klimaleugner“ zu marginalisieren, die primitivste Masche der Klimaideologen.
Pielkes Kommentar
Als Australiens Nationale Klimarisikobewertung (Australia’s National Climate Risk Assessment NCRA) letzte Woche veröffentlicht wurde, hiess es in Schlagzeilen wie der oben genannten, dass „der Klimawandel die Australier bis 2050 jährlich 40 Milliarden Dollar kosten könnte“.
Diese Behauptung ist nachweislich falsch. Schauen wir uns das genauer an. Die NCRA gibt die Kosten von 40 Milliarden Dollar auf S. 102 an:
„Der Colvin-Bericht (2024) prognostizierte für die einzelnen Bundesstaaten und Territorien die Katastrophenkosten für Überschwemmungen, Buschbrände, Stürme, Zyklone und Hagelstürme bei einem moderaten Emissionsszenario, die sich bis 2049/50 auf jährliche Kosten von etwa 40,3 Milliarden Dollar belaufen könnten (Medianwert).
Der Colvin-Bericht sagt jedoch nichts dergleichen. Folgendes steht dort (S. 13):
„Basierend auf durchschnittlichen Schätzungen in realen Dollar für 2023/24 belaufen sich die prognostizierten wirtschaftlichen Gesamtkosten von Naturkatastrophen in Australien für 2023/24 auf 11,8 Milliarden Dollar und werden bis 2049/50 voraussichtlich auf 40,3 Milliarden Dollar ansteigen. Die Kosten von 40,3 Milliarden Dollar für 2049/50 berücksichtigen das erwartete zugrunde liegende Wachstum der Auswirkungen von Naturkatastrophen aufgrund von Faktoren wie Bevölkerungswachstum sowie Anzahl und durchschnittlicher Grösse der gefährdeten Wohnungen. Diese Kostenschätzungen berücksichtigen nicht die zugrunde liegenden Auswirkungen des Klimawandels.
Australiens Nationale Klimarisikobewertung NCRA unterstellte, der Colvin-Bericht habe zukünftige Katastrophenkosten unter einem „moderaten Emissionsszenario“ prognostiziert, obwohl der Colvin-Bericht tatsächlich nur gesellschaftliche Faktoren berücksichtigte. Für eine formelle staatliche Bewertung ist dies bestenfalls unglaublich schlampig.
Abschliessend fragt Pielke, wie sich Extremwetterereignisse in Australien durch den Klimawandel künftig verändern würden. Er gibt die Antwort gleich selbst:
Wir wissen es nicht… Wir wissen jedoch, dass die Katastrophenschäden allein aufgrund der wachsenden Bevölkerung, des zunehmenden Immobilienwerts und des wachsenden Wohlstands zunehmen werden. Das zukünftige Klima wird mit oder ohne Klimawandel viele Extreme erleben. Allein diese Faktoren bedeuten, dass wir angesichts einer ungewissen Zukunft genug wissen, um zu handeln.
Ein „Klimaleugner“ tönt anders. Doch Pielke gehört zu den Realisten der Energie- und Klimapolitik. Er kritisiert seit langem, die Klimapolitik orientiere sich einerseits an zu pessimistischen Modell-Szenarien der Erderwärmung. Andererseits beruhe sie auf viel zu optimistischen Erwartungen über die Realisierbarkeit von radikalen Massnahmen der CO2-Vermeidung. Sein „Eisernes Gesetz der Klimapolitik“ hatte ich in einer Fussnote des letzten Blogbeitrags bereits zitiert: „Wenn Umwelt- und Wirtschaftsziele miteinander in Konflikt geraten, gewinnen die wirtschaftlichen Ziele.“
Von Australien in die Schweiz
Genau dies werden wir auch in der Schweiz in näherer und fernerer Zukunft erfahren, trotz all der „1,5 Grad“- und „netto null 2050“-Beschwörungen. Doch zum Glück gibt es inzwischen auch in gewichtigen schweizerischen Redaktionen energie- und klimapolitische Realisten, zum Beispiel bei der NZZ. Jüngst schrieb Fabian Schäfer beiläufig in einem kritischen Kommentar zur SVP-Initiative gegen eine 10-Millionen-Schweiz über hausgemachte Versäumnisse und Vorlieben kurz und bündig: „…wir haben eine naive Energiestrategie beschlossen…“ Dasselbe gilt natürlich auch für die mit der Energiepolitik eng verzahnte Klimapolitik.
Öffentlich wahrnehmbare Forschungsaktivitäten unserer staatlichen Hochschulen – etwa an den jährlichen frei zugänglichen „Energy Days“ der ETH Zürich – sind aber weiterhin auf die Unterstützung und Rechtfertigung dieser „naiven Energiestrategie“ ausgerichtet. Naiv ist eine energie- und klimapolitische Strategie, die sich als überdeterminiertes Zielsystem entpuppt. Das bedeutet, dass Ziele gesetzt werden, die im geplanten zeitlichen Rahmen unvereinbar sind: Atomausstieg plus Versorgungssicherheit plus günstige Energiekosten, plus netto null 2050 plus Wirtschaftswachstum plus Landschafts- und Umweltschutz plus Einhaltung der Schuldenbremse. Ein solches Zielsystem ist wegen Überdehnung nicht realisierbar, also müssen an einem oder mehreren Zielen Abstriche gemacht werden. Naheliegende Kandidaten dafür sind der Atomausstieg oder eine ziemlich massive Streckung des Zeitrahmens für ’netto null‘.
Wer behauptet, das Stimmvolk habe diesem unrealisierbaren Zielsystem in mehreren Volksabstimmungen, meist bei üblichen Stimmbeteiligungen von unter 50 Prozent, implizit zugestimmt, sollte sich nicht wundern, wenn die Leute durch ihr tatsächliches Verhalten dafür sorgen werden, dass klima- und energiepolitische Ziele revidiert werden müssen.


Eine Volkswirtschaft als Wirtschaftssystem gedacht, mit dem Ziel, Glück und Zufriedenheit für die Bürger zu schaffen, und den Lebensstandard stetig zu verbessern, kann dieses aus finanziellen Gründen nicht erreichen, sofern die heutigen Forderungen an den Klimaschutz, an die Energiewende, an das Wirtschaftswachstum etc mit einbezogen werden, auch nicht in absehbarer Zeit. Alle Forderungen unter einen Hut zu bringen ist nicht möglich.
Eine sofortige Abkehr vom Energie-und Klima-Irrweg ist aus ökonomischen Gründen dringend geboten.