Saisonstart im Piemont

Sportlicher Bilderbericht aus der Langhe-Region mit einem politischen Anhängsel

85km-Runde ab Monforte d’Alba vom 20. Februar
(Die Zahlen stehen für 5km-Abschnitte)

„Mens sana in corpore sano“ denkt man und steigt aufs Velo. Aber KI belehrt mich. Das vollständige, Juvenal zugeschriebene Zitat lautet: „Orandum est ut sit mens sana in corpore sano“ oder deutsch „Man sollte darum beten, dass ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sei.“ Das wusste ich aber noch nicht, als ich heute gegen Mittag in die langen Velohosen stieg. Sonst hätte ich mir vielleicht die Anstrengung auf den hügeligen Langhe-Strassen erspart und hätte stattdessen gebetet. Dann hätte ich aber all die unten gezeigten Ausblicke und Szenen verpasst.

Schneeresten auf 750mü.M. bei 13 Grad, mit Monviso am Horizont

Als ich im Jahr 2008 mit einer Velogruppe im Piemont ein paar Passtouren machte und zum ersten Mal den Monviso sah, war ich bass erstaunt, dass es so weit unten in den Alpen noch eine solch einsame Pyramide gibt, die fast so hoch ist wie der Eiger und alles andere in der Umgebung weit überragt. Der Po entspringt an diesem markanten Berg.

Murazzano – Monviso – mon vélo

Ungefähr 15km weiter nach Süden auf der Höhenstrasse Richtung Savona an der ligurischen Küste wechselt die Szene, und es wird historisch.

Route Napoléon – ja, der war auch mal hier

Auf solchen Ausflügen gibt es immer auch Überraschungen wie hier in Sinio.

Spontaner Halt in Sinio: Carnevale mit Fahnenschwingern

Die heutige Runde (vom 22. Februar) war mit 100km etwas gar lang. Auf den letzten 10km geht es noch einmal gut 300 Höhenmeter aufwärts. Bei Kilometer 88 brauchte ich deshalb noch einen Energieschub.

Energieschub für die letzten 10 km: Biscotti con Nutella mit Cappuccino

Es genügt, dieses Geheimrezept, das ohne ärztliche Verschreibung erhältlich ist, gut zehn Minuten einwirken zu lassen. Dann nichts wie los. Der Energieschub ist wunderbar. Weniger erfreulich ist die Einfahrt nach Monforte – nichts Einmaliges, nur ein Muster für den generell schlechten Zustand der Staatsstrassen.

Einfahrt nach Monforte: Ständige Herausforderung für Velofahrer

Da kann man nur hoffen, dass der ermüdete Velofahrer bei Kilometer 84 oder auch 99 seine Sinne noch beisammen hat! Strade statali – eine der grossen Pendenzen für Frau Meloni. Aber da wird nichts passieren, denn in Italien ist es wie in den meisten anderen westlichen Demokratien: Die dynamisch wachsenden Sozialausgaben mit Konsumcharakter verdrängen notwendige staatliche Investitionen. Der lamentable Zustand der Strassen steht sinnbildlich für den überforderten Wohlfahrtsstaat.

Diesselbe Mechanik gilt auch für die Schweiz: Bildlich sieht das so aus:

Kommentar eigentlich überflüsssig

Unabhängig davon, ob wir uns einmal enger an einen uneinigen Club von mehrheitlich hoch verschuldeten Staaten binden wollen, der seine eigenen Regularien und Verträge bricht und heute in einem viel schlechteren Zustand ist, als zum Zeitpunkt, als vor x Jahren die ersten Kontakte und Diskussionen um ein institutionelles Rahmenabkommen begannen – die Schweiz muss so oder so ihre Hausaufgaben machen. Für fast alles, was wir aus Opportunismus versäumt oder falsch aufgegleist haben, sind wir selber verantwortlich und zuständig. Das heisst, dass die vor allem demografisch befeuerten Dynamiken der Sozialsysteme gebrochen und die illusionäre Leuthard-Energiewende abgebrochen werden müssen. Wie das allerdings gegen den absehbaren Widerstand von Interessengruppen und des Stimmvolks geschehen soll, steht in den Sternen.

4 thoughts on “Saisonstart im Piemont”
  1. Saluti Hans,
    Auch ich bin in Bella Italia zum Saisonstart letzten Samstag aufgebrochen. Leider wollte der so gar nicht wie bei Dir mit hoch positiven mentalen Erlebnissen beginnen. Schon am zweiten Trainingstag auf dem ersten Kilometer am Sonntag hat mir eine Autofahrerin beim Rechtsabbiegen einen Bodycheck gespendet und mich zu Boden katapultiert. Während Einheimische mir zu Hilfe eilten, begang die Autofahrerin Fahrerflucht mit ihrem Beifahrer.
    Nur zu gut kann ich Deine Erfahrungen betreffend Strassenverhältnissen teilen. Man muss hell wach sein, um die Hindernisse oft akrobatisch zu umfahren und lernen, die teils agressive Fahrweise der Azzurri gelassen zu nehmen. Da gelobe ich mir Spanien. Dort lässt es sich nach meiner Ansicht ziemlich entspannt velofahren. Auch sind die Strassen in viel besserem Zustand. Wahrscheinlich werden die Brüsseler Spenden dort nützlicher eingesetzt.
    Bis bald
    Horst

  2. Sehr schön! Mais dommage pour le retour aux réalités économiques.
    Bedeutet dies, dass eine noch engere Annäherung an die EU uns die Tugend verleihen würde, uns nicht mehr für unsere eigenen Sünden schuldig zu fühlen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.