Leichtere Ferienkost aus Monforte d’Alba mit einer ernsten Note
Auf der Karte sind blaue Streckenteile Aufstiege, rote markieren Abfahrten. Wenn die gleiche Strecke für die Rückfahrt benützt wird, überschreibt die zweite Fahrt die erste. Zahlen markieren Abschnitte von jeweils 5km. Unterwegs trifft man immer wieder Bilder von Strassenstücken wie diesem:
Nun könnte ich ein weiteres Mal die Verbindung vom Zustand der Staatsstrassen zum überforderten italienischen Wohlfahrtsstaat machen. Dieser lässt nicht mehr genügend Mittel übrig, um die staatliche Infrastruktur zu unterhalten, so wie es sich für ein sogenannt reiches Land gehören würde.
Und dann könnte ich den Sprung zu schweizerischen Zuständen machen, die noch nicht wirklich ins allgemeine Bewusstsein gedrungen sind. Denn schon fast täglich erfährt man neue Hiobsbotschaften über schief laufende teure Projekte, heute gerade wieder über ‚Digisanté‘. Dieser weitere Anlauf des Bundes, den Digitalisierungsrückstand im Gesundheitswesen wenigstens bis im Jahr 2034 (!) mit einer digitalen ‚Basis-Datenplattform‘ aufzuholen, ist jetzt unter Spardruck ernsthaft in Frage gestellt, bevor das Projekt richtig begonnen hat. Und vor wenigen Tagen schreckten die Meldungen über Defizite und drohende hohe Mehrkosten in der Invalidenversicherung auf. Vom übrigen x Milliarden schweren Investitions- und Ausgabenrückstau gar nicht zu sprechen.
Solche ernsthaften Themen passen aber nicht in die Ferienstimmung im Piemont. Also gibt es heute reich bebilderte persönliche Kost, beginnend mit einer Weindegustation auf dem ältesten Weingut der Region um Barolo.
Cordero di Montezemolo
Auf das traditionsreiche Weingut Cordero di Montezemolo, bekannt für Barolo-Spitzenweine, machte mich ein ehemaliger Komilitone mit dem nicht ganz unbekannten Namen Andreas Zgraggen aufmerksam. Seine Karriere führte ihn nach dem Studium in der trinkseligen Medienwelt weit nach oben. Dazu passen Ansprüche an Wein, wie sie nur von exklusiven Weingütern befriedigt werden können.
Empfangen wird man, falls sie da ist, von der Eigentümerin persönlich. Die mächtige libanesische Zeder auf dem Hügel hinten ist eine Art Wahrzeichen des Weingutes. Man sieht sie aus der Umgebung von weitem.

Die Zeder thront über dem Weingut. Google Gemini kennt dazu alle Details:
„Die berühmte Libanon-Zeder (Cedrus libani) auf dem Hügel Monfalletto in La Morra wurde im Jahr 1856 gepflanzt. Hinter der Pflanzung steckt eine romantische Tradition: Die Vorfahren der heutigen Besitzerfamilie Cordero di Montezemolo – Costanzo Falletti di Rodello und Eulalia Della Chiesa di Cervignasco – haben den Baum zur Erinnerung an ihre Hochzeit im Jahr 1856 in die Erde gesetzt. Er sollte als Symbol für die Beständigkeit und Festigkeit ihrer Liebe sowie für die tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimat und dem Land stehen. Heute ist die majestätische Zeder, deren Silhouette weithin über die Weinberge des Barolo-Gebiets sichtbar ist, das unverkennbare Wahrzeichen des Weinguts und der gesamten Region.“
In einem Nebengebäude werden auch vier kleine Wohnungen angeboten. Dazu gehört ein Pool.
Für Besucher gibt es organisierte Führungen mit Degustation.

Foto vom 26. Mai 2026
Unterwegs auf gefährlichen Strecken
Dokumentiert ist nachstehend eine Gedenkrunde von genau 50 Kilometern. Es geschah am 31. Juli 2010 bei Ziffer 4.
Am 30. Juli 2010 fand die notarielle Beglaubigung statt, mit der ich das Eigentum am Haus ‚Casa Bertoloni‘ in Monchiero erwarb.
Am Tag nach der Beurkundung des Kaufvertrags stieg ich auf mein Rennvelo und ging auf eine erste Runde in den Hügeln der Langhe. Auf der Strasse von Murazzano Richtung Bossolasco macht die Strasse vor einer kleinen Kapelle eine langgezogene Linkskurve.
Die Kapelle sieht aus naher Distanz so aus. Ganz hinten an der Seitenwand steht mein Velo im Schatten.
Mein Rennvelo an der Seitenmauer der Kapelle steht vor einer Gedenktafel.
Die Gedenktafel aus der Nähe. Ganz unten steht das Datum des 31. Juli 2010.
Kurze Zeit bevor ich an jenem 31. Juli Richtung Bossolasco fuhr, hatte der Motorradfahrer namens Mariano die Kurve verfehlt und fuhr frontal links vom Eingangsbogen der Kapelle in die Mauer. Das Unfallopfer wurde vor meinen Augen gerade in die Ambulanz verladen. Ein paar Motorradkollegen und eine Gruppe Menschen standen auch herum.
Schon bald nach diesen Eindrücken wurde mir klar, dass es sich bei dieser kurvenreichen Höhenstrasse, die von Alba Richtung ligurische Küste führt, um eine unter Motorradfreaks beliebte Raserstrecke handelt. Besonders am Wochenende ist die Hölle los. Kein Wunder, trifft man an Unfallorten gelegentlich auf Warntafeln. Die unten abgebildete befindet sich auf meiner Veloroute vom 28. Mai bei Bossolasco zwischen den Ziffern 3 und 4, dort wo die rote Färbung ins Gelb übergeht.
Wenn am Ende desTages alles gut gegangen ist, man die vielen Rillen und Löcher in der Strasse vermeiden konnte und alle übermütigen Motorradfahrer die Kurve gekriegt haben, gönnt man sich in Sachen Verpflegung eine angemesse Aufmunterung, zum Beispiel im eleganten ‚Gennaro di Pace‘ beim Castello di Perno ausserhalb von Monforte d’Alba:
Oder mit einer Tagliata di Vitello in der sympathischen Pizzeria ‚Il Faro‘ in Dogliani:
Dazu, je nach Stimmung, ein Glas Dolcetto oder Nebbiolo oder Barbera oder Barolo – und schon sind die Gedanken an schlechte Strassen oder zu waghalsige Motorradfahrer wie weggeblasen!

















Ganz grosses Kino Hans! ;-)))