Zwischenbericht von der TEMU-Front

Neue Erfahrungen nach dem Kauf der Velohose

Ihr Blogger mit Sturzvelo und ‚winddichter Fahrrad-Windbreaker-Jacke‘ von TEMU

Zur Abwechslung kommt dieses Mal nichts Klimapolitisches, sondern wieder einmal eine selbst gestrickte People-Story. Bill Gates hat kürzlich die Klimakatastrophe abgesagt. Er argumentiert jetzt neuerdings für eine ausgewogene Sicht der drängendsten Weltprobleme, also etwa auf der Linie des bekannten, aber gemäss Wikipedia „umstrittenen“ dänischen Ökonomen und Autors Björn Lomborg. Oder ähnlich wie der auf YouTube aktive emeritierte Konstanzer Physikprofessor Gerd Ganteför. Oder auch auf meiner Linie, wenn ich mich so unbescheiden dieser prominenten Reihe anschliessen darf. Seit 2012 habe ich mehr als 90 klimapolitische Blogbeiträge publiziert, so dass man meine Positionen in der Blog-Kategorie ‚Klima‘ leicht nachprüfen kann. Da Bill Gates mit seiner Kehrtwende weltweit Schlagzeilen gemacht hat, kann ich dieses Thema vorderhand mal beiseite lassen, obwohl es mir mit dem Klimathema manchmal so geht wie dem Weltwoche-Herausgeber Roger Köppel mit dem Thema Neutralität. Egal, worüber er schreibt oder spricht – am Ende kriegt er immer die Kurve zur Forderung nach der strikten Neutralität der Schweiz.

Neue Erfahrungen mit TEMU
Wer von meinen Lesern shoppt auch auf der Online-Shopping-Plattform TEMU? Vermutlich nicht viele. Deshalb renne ich mit meinem Zwischenbericht keine offenen Türen ein. TEMU ist das internationale Online-Shopping-Geschäft des chinesischen Mutterkonzerns PDD Holdings.

Anfang August berichtete ich über meine ersten Erfahrungen mit TEMU (hier). Ich bestellte probehalber eine gut gepolsterte Velohose zum Preis von rund CHF 12. Die Sendung kam nach wenigen Tagen bei mir zuhause an. Leider war das Kleidungsstück ein wenig zu gross. Mir war aber damals der Aufwand für die Rücksendung im Verhältnis zum Kaufpreis schlicht zu gross. Also trage ich jetzt die Hose bei kälterem Wetter über einer langen Velohose.

Nun brauchte ich kürzlich einen Ersatz für die Schutzhülle meines grossen, fest installierten Sonnenschirms der Marke Weishäupl. Bei der Schutzhülle, die rund CHF 150 gekostet hatte, hatte sich eine Naht geöffnet. Nach langer Suche nach einem Ersatz kam mir plötzlich die Idee, bei TEMU nachzusehen. Und siehe da: Es gab verschiedene Schutzhüllen unterschiedlicher Grössen, natürlich nicht Original oder speziell für Weishäupl-Schirme. Aber bei einem Preis von CHF 10.06 kann man ja einen Kauf riskieren, auch wenn dann das Produkt nicht voll befriedigen sollte. Also bestellte ich.

Bevor man die Bestellung abschliesst, wird man mit weiteren Angeboten konfrontiert, was bei den unschlagbaren Preisen die Finger locker werden lässt. Ich brauchte tatsächlich neue Velohandschuhe. Bei den alten von Lidl hatten sich Nähte geöffnet. Also wechselte ich von Schutzhüllen für Sonnenschirme flugs zu Velobekleidungen. Ich fand dann rasch Kurzfinger-Veohandschuhe für CHF 4.10 und solche mit langen Fingern für CHF 5.73. Im Vergleich zu anderen billigen Online-Angeboten ist dies weniger als der halbe Preis. Im Sportgeschäft bezahlt man locker CHF 30.

Dann stiess ich noch auf eine ‚winddichte Fahrrad-Windbreaker-Jacke‘ für CHF 32.92 und einen ‚Kapuzenpullover‘ für CHF 13.05. Am Schluss hatte ich für zwei Paar Velohandschuhe, eine Sonnenschirm-Schutzhülle, eine Windbreaker-Jacke und einen Kapuzenpulli einen Rechnungsbetrag von etwa CHF 66 im Warenkorb.

Meine zweite Bestellung über TEMU

Für die Zahlung wählte ich Twint. Irrtümlich hatte ich die Windbreaker-Jacke zweimal bestellt. Das liess sich nach der Bezahlung der Rechnung sofort korrigieren. Man erhält dann die Meldung, die Rückvergütung auf das Bezahlkonto hinter Twint sei veranlasst.

Der Clou der Bestellung
Nachdem die bestellte Ware bei mir eingetroffen war, zeigte sich, dass der Kapuzenpulli, Grösse M, für mich viel zu gross war. Zuerst dachte ich wieder, was soll der ganze Aufwand, der mit einer Rücksendung anfällt. Es geht ja nur um CHF 13. Schliesslich entschied ich mich aber aus Neugier, doch mal den Rückgabeprozess durchzuspielen. Ich klickte also auf den Button für die Rückgabe. Zuerst muss man angeben, weshalb man den Artikel zurückgeben will. Wenn die Grösse nicht stimmt, ist dies einer der auszuwählenden Gründe für die Rückgabe. Danach muss man noch Fotos mit dem Artikel und der Grössenetikette hochladen. Als ich dann auf ‚weiter‘ drückte, kam die überraschende Meldung, dass die Gutschrift ohne Rücksendung der Ware durchgeführt werden könne. Da fragt man sich: Wie schützt sich TEMU vor Missbrauch? Welche Steigerung an Kundenfreundlichkeit ist da noch möglich? Aber eigentlich ist klar, dass der ganze Rückgabeprozess bei einem so niedrigpreisigen Produkt für TEMU mehr Aufwand verursacht als die angefallenen Beschaffungskosten.

Ich bin kein notorischer Schnäppchenjäger. Aber ich honoriere mit solchen Käufen unternehmerische Innovationen, die durch neue Geschäftsmodelle den Wettbewerb beleben und die Kaufkraft der breiten Bevölkerung stärken. Schliesslich leidet diese auf vielen geschützten Binnenmärkten unter den ständig steigenden Preisen für inländische Güter und Dienstleistungen, speziell auch solchen des Staates. Es ist bekannt, dass wir in der Schweiz nur deshalb eine tiefe Teuerung haben, weil importierte Güter immer billiger werden, was den Preisanstieg bei inländischen Gütern kompensiert. Und falls Unternehmen wie TEMU irgendwelche unlauteren Tricks anwenden sollten, haben wir in europäischen Ländern genügend scharfe Aufpasser, die darauf drängen, dass solchen Anbietern Auflagen gemacht werden. Die Vorwürfe an TEMU sind bekannt. Wer darüber mehr wissen will, kann zum Beispiel bei Google Gemini nachfragen. Man erfährt dort auch Details über TEMUs Geschäftsmodell.

Man könnte jetzt die Attributionsexperten der ETH noch fragen, ob und, wenn ja, wie viel TEMU zur Klimaerwärmung beiträgt. Ups! Schon bin ich im Köppelschen Fahrwasser, was ich unbedingt vermeiden wollte. Für Interessierte hier doch noch ein Link zum Thema Umweltbelastung des Onlinehandels.

One thought on “Zwischenbericht von der TEMU-Front”
  1. Haha. Sehr gut. Ich habe bei Temu bis jetzt bestellt: zwei Ladeadapter für Handy (u.a.) für je etwa 5 Franken, die sonst zwischen 30 und 80 Franken kosten. Ein HDMI-Kabel zum Anschluss eines Bildschirms an den Compi für weniger als 10 Franken statt 20 bis 30. Eine Titanbratpfanne für weniger als 50 Franken, die sonst 150 bis 200 kosten. Die Ware ist in jedem Fall zwar langsam, aber noch in versprochener Frist angekommen und ist bis jetzt fehlerfrei funktionstüchtig.

    Ich kann mir weitere Käufe somit sehr gut vorstellen. Es befremdet mich immer wieder, wie ausländische Versandhändler – oder auch der Verkaufstourismus nach D, F oder I – in der Schweiz angefeindet werden, die selber ein echter Exportweltmeister ist.

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