KKW Beznau 1 und 2 abgeschaltet

Ein kurzer Einblick in die Sicherheitsschranken eines 52-jährigen schweizerischen KKW

E-Mail von Martin Schlumpf an Dr. Walter Rüegg:
„Die beiden KKW Beznau gingen diese Woche vom Netz, weil bei einer Nachweisprüfung für die Erdbebensicherheit festgestellt wurde, dass bei 2 Notstandsdieseln die Schockabsorber fehlten (Laut Lokalzeitung „Die Botschaft“). Die Nachrüstungen, die diese Ausstattung hätte bringen sollen, hat 2009/10 stattgefunden. In diesen 10 Jahren hat also niemand gemerkt, dass sie fehlten! Uups, das ist dann vielleicht doch nicht das perfekte Handling. Und wir haben davon gesprochen, dass der Sicherheitsstandard bei uns sehr hoch sei. Klar: Es gibt offenbar immer noch vier Notstromgruppen, die intakt geblieben wären, weil sie erdbebensicher ausgelegt waren. Trotzdem verunsichert mich dieser Vorfall. Was denkst du darüber, Walter?“

Antwort von Dr. Walter Rüegg an Martin Schlumpf:
„Eine totale, irrationale  Überreaktion. Neben den zusätzlichen 4 schwer verbunkerten Notstromdieseln gibt es noch Strom vom kleinen Beznau-Wasserkraftwerk. Wenn dieses auch noch versagt, dann kommen externe Generatoren zum Einsatz (aus zentralem Lager, mit Helikopter, oder von der Betriebsfeuerwehr oder umliegende Feuerwehren). Falls alles versagt, ultima ratio: Reaktorgebäude unter Wasser setzen (alles vorbereitet, Anschlussstutzen usw., wird geübt, Wasser aus dem Fluss). Und wenn dies auch nicht geht (eine Terroristenarmee erschiesst alle Einsatzkräfte und holt die Helikopter vom Himmel) wird es zu einer Kernschmelze kommen, Wasserstoff wird freigesetzt. Aber die Rekombinatoren eliminieren es. Falls dies nicht passiert (man müsste dann allerdings gewisse Naturgesetze ausser Kraft setzen) kommt es zu einer Wasserstoffexplosion. Wenn das Containment nicht hält (unwahrscheinlich, es hat auch Druckentlastungsmöglichkeiten) kommt es zum wirklichen GAU. Erst jetzt ist die Umgebung betroffen. Ein GAU ist übrigens schon der grösste anzunehmende Unfall, ein Super-GAU ist ein super-unsinniges Wort. Es ist völlig klar, dass bei einem solchen angenommenen Erdbeben tausende von Bewohnern direkt ums Leben kommen (Häuser stürzten ein). Hier sollte man vorsorgen. Gar nicht lustig: Eine ganz grobe Abschätzung (Feinstaubmenge auf Grund von 4 Wochen Holz/Öl statt Nuklearwärme-Refuna) ergibt etwa einen Todesfall.“

Nachbemerkung:
Aus dem deutschen Umweltministerium, beherrscht von rot-grünen Politikerinnen, kam letztes Jahr die anmassende Forderung, die Schweiz solle zum Schutz der süddeutschen Bevölkerung die beiden Blöcke von Beznau „zeitnah“ stilllegen. Die NZZ brachte eine sinnvolle Gegenforderung ins Spiel: „Aus Schweizer Sicht wäre es verlockend, die sofortige Abschaltung des Kohlekraftwerks Niederaussem in Nordrhein-Westfalen zu fordern. Es verursacht einen jährlichen CO2-Ausstoss von rund 27 Millionen Tonnen. Dies ist halb so viel wie die gesamte Schweiz in einem Jahr an Treibhausgasemissionen ausstösst.“

Ein Gedanke zu „KKW Beznau 1 und 2 abgeschaltet

  1. Grüessech

    Schon erstaunlich, dass Herr Dr. Walter Rüegg nicht einmal die grundlegenden Begriffe der nuklearen Sicherheit zu kennen scheint. Der GAU = Grösster Anzunehmender Unfall ist ein altmodisches Word für den heutigen Fachbegriff Auslegungsstörfall. SuperGAU steht wiederum altmodisch für den sogenannten auslegungsüberschreitenden Störfall.

    Die Krux liegt im „A“ wie „anzunehmen“. Es geht um den grössten Unfall, für welchen ein AKW auszulegen bzw. zwingend nachzurüsten ist. Diese Annahmen bestimmen, welchen Gefährdungen ein AKW gesetzlich/regulativ standzuhalten hat und welche Regeln bei der Nachweisführung gelten (zum Beispiel, dass ein Einzelfehler, aber keine Mehrfachfehler anzunehmen sind).

    Diese Abgrenzung des Sicherheitsniveaus nach oben (von den Grundregeln her auf dem Niveau von ca. 1974, allerdings mit schleppender Anpassung der sog. Gefährdungsannahmen also beispielsweise der Stärke eines Auslegungserdbebens) dient letztlich der grundsätzlichen Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit eines AKW. Sie bestimmt, was als „sicher genug“ im Sinne des Gesetzes gilt (oder gelten sollte).

    Die Abgrenzung bedeutet jedoch in keiner Weise, dass es keine grösseren Unfälle geben kann. Dies zu behaupten, spricht für mich Bände.

    Es sei empfohlen, einmal die gesetzlichen Begriffsdefinitionen zu studieren:
    https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/20090231/index.html#a1

    All dies ganz abgesehen davon, dass es einen solchen „Super GAU“ im Falle Beznau auch gar nicht braucht, um schwerwiegende Freisetzungen zu bewirken. Sie können das alles in meinem Blog nachlesen … wenn es Sie denn tatsächlich interessiert, was Fakt ist.
    https://energisch.ch/

    Die weiteren Aussagen des Herrn Dr. Walter Rüess sind ungefähr auf gleichem grundlegenden Niveau unzutreffend. Das ist derart (exgüseh) „voll daneben“, dass ich mich einen Moment fragte, ob ich hier auf Satire hereingefallen bin? 😉

    Ich bin gespannt auf Ihre Antwort. Bitte avisieren Sie mich per E-Mail.

    Freundliche Grüsse
    Markus Kühni

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