Zwei Exemplare der frühen Worldwatch-Berichte haben das Ausmisten meiner Fachbibliothek überstanden. Dies geschah, weil ich immer schon neugierig war, in welchem Ausmass sich all die ‹Futuristen-Autoren› in ihren Prognosen irren würden. Die Reihe alarmistischer Grossstudien begann am Anfang des Krisen-Jahrzehnts der 1970er-Jahre mit 'Die Grenzen des Wachstums' des Club of Rome. Danach kam im Auftrag des amerikanischen Präsidenten Jimmy Carter 'Global 2000'. Ab 1984 erschien der jährliche Bericht 'Zur Lage der Welt...' des Worldwatch Institute. Obwohl die Welt die empfohlene Abkehr von der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft verworfen hat, haben wir überlebt.
Leichtere Kost scheint mir für die Sommerferienzeit angemessen. Es gab diese Woche einige Vorkommnisse, die eines Blogbeitrags würdig gewesen wären, aber andere Medien kamen mir zuvor. Ein eher lokales Ereignis verdient doch einen Kommentar, aber nur als Vorgeplänkel zum Hinweis auf die senegalesische Unternehmerin Magatte Wade, die sagt: "The number 1 rule to keep Africa poor is to keep blaming colonialism for everything."
Die Leute wollen bessere Politiker, was immer das heisst. Und sie nehmen dabei kein Blatt vor den Mund. Auf X kursieren über Bundeskanzler Merz Pinocchio-Karikaturen, aber das ist noch bei weitem nicht die Spitze der Respektlosigkeit. Für politische Kommentatoren stellt sich immer die Frage, wie weit man mit Kritik an Amtsträgern gehen kann oder sollte. Wer meine Artikel im volldaneben-Blog oder in diversen Medien ein wenig kennt, ist vielleicht schon auf persönliche Charakterisierungen gestossen, bei denen man einen gewissen Mangel an Respekt vor dem Amt spüren konnte. Kürzlich habe ich in einem Blog-Beitrag mehrmals von unserer ‹Fukushima-Doris› geschrieben.
In meinem letzten Blogbeitrag kamen die Grünen nicht gut weg. Ich hatte ein Buch mit dem polemischen Titel ‹Grün und dumm› des deutschen Physikers Hans Hofmann-Reinecke erwähnt. Die Grünen verdienen aber eine Ehrenrettung. Bei ihnen weiss man, woran man ist. Bei der CVP/Die Mitte mit Logo in Orange ist dies nicht der Fall. Die Leuthard-Energiewende nach 'Fukushima' war eine Spitzkehre gegen die Kernenergie um 180 Grad. Deshalb ein wenig Polemik im Titel. Der Schaden ist ja gross genug.
Der bekannte US-amerikanische Umweltwissenschafter Roger Pielke jr. hat sich in seinem letzten Newsletter ‹The Honest Broker› mit der Frage beschäftigt, wie Europa heute energie- und klimapolitisch dastehen würde, wenn vor gut 30 Jahren der Weiterausbau der Kernenergie nicht gestoppt worden wäre. Pielke fragte sich: Wie sähe der Energiemix der EU heute aus, wenn sich der Staatenbund für eine Zukunft mit Kernenergie entschieden hätte? Welchen Einfluss hätte dies auf den Verbrauch fossiler Energie gehabt, und wie viel CO2 wäre dadurch weniger ausgestossen worden?
Über Chinas Energiepolitik kursieren allerhand stereotype Floskeln. Einerseits liest man von einem enormen Zubau von Solar- und Windenergie. Auch bei der fast CO2-freien Kernenergie machen die Chinesen auf Tempo, technologisch und produktionsmässig. Anderseits wird China mit seinem massiven Zubau von Kohlekraftwerken auch immer wieder als Hauptverursacher des weltweiten CO2-Ausstosses angeprangert. Was ist nun richtig? Könnte beides zutreffen? Jüngst entdeckte ich auf einer Online-Newsplattform die neusten Daten aus dem 'Statistical Review of World Energy'.