Nun güllen sie wieder

Kaum ist der Schnee weg, stinkt es auf dem Land nach Mist und Jauche. Viele Stadtmenschen meinen, wenn es auf ihren Ausflügen aufs Land so richtig nach Gülle stinke, seien sie draussen in der Natur. Denn seit Kindesbeinen atmen sie diese Atmosphäre, wenn sie aus den Städten hinaus fahren. Dabei handelt es sich bei diesem penetranten Geruchserlebnis nicht um Natur, sondern ganz im Gegenteil um Kultur. Allerdings um eine besondere Kultur – nämlich um die mit milliardenschweren Subventionen gedüngte schweizerische Agrikultur.

Die Schweiz leistet sich eine staatlich geschützte, extrem teure und intensive Universallandwirtschaft. Hinter hohen Grenzschutzmauern wird ungefähr alles produziert, was Boden und Klima hergeben. Unser agrarisches Stütz- und Schutzregime ist so kompliziert, dass nur noch wenige verstehen, was abläuft. Hier ein paar Fakten zur vergüllten Landschaft:

  • Die schweizerische Landwirtschaft ist im Tal- und Hügelgebiet eine Intensivlandwirtschaft: hochmechanisiert mit vielen Maschinen und viel Chemie. Die Tierbestände sind für die beschränkte landwirtschaftlich nutzbare Fläche der Schweiz bei weitem zu hoch. Bei Schweine- und Rindfleisch erreicht der Selbstversorgungsgrad seit langem über 90 Prozent, bei Milch gar über 100 Prozent, dies trotz starkem Bevölkerungswachstum und schrumpfender landwirtschaftlich nutzbarer Fläche.
  • Die Fleischproduktion ist in der Schweiz gut doppelt so teuer wie in umliegenden europäischen Ländern. Wegen mangelnder Effizienz aufgrund kleinbetriebliche Strukturen in der Fleischverarbeitung steigen die Preisdifferenzen zum Ausland bis auf den Ladentisch noch weiter an.
  • Die flächendeckende und nicht nur für die Nase, sondern auch für die Artenvielfalt schädliche Güllerei hat direkt mit den viel zu hohen Tierbeständen zu tun. Da die extrem teure einheimische Futtermittelproduktion für die hohen Tierzahlen bei weitem nicht ausreicht, wurde in letzter Zeit etwa die Hälfte der Futtermittel importiert. Eine unbefangene kritische ökonomische und ökologische Analyse dieser Zustände müsste logischerweise zu einem Abbau der Tierbestände führen. Stattdessen wird im neuen Agrarprogramm AP 2014-17 mittels Subventionen die Ausdehnung der Futtermittel-Anbaufläche gefördert.

Viel Druckerschwärze für fast nichts

Nicht weniger als 278 Seiten stark ist die Anfang Februar publizierte Botschaft des Bundesrates zur Agrarpolitik für die Jahre 2014 bis 2017. Wer aus dem Umfang des Dokuments schliesst, es stehe eine Revolution der schweizerischen Agrarpolitik bevor, liegt völlig falsch. Der anfängliche Eifer für das wenig ehrgeizige Reformprojekt ist bereits in der Vernehmlassung abgeflaut. Somit steht fest: Die Schutzwälle an der Grenze bleiben, und die Direktzahlungen fliessen mit CHF 11,3 Mrd. in der Periode 2014-17 in unverminderter Höhe und halten unwirtschaftliche Betriebe über Wasser. Wie mit einer solchen Reform die schweizerische Landwirtschaft wettbewerbsfähiger werden soll – eines der hehren Ziele der AP 2014-17 – lässt sich nur mit viel Talent im Schönreden begründen. Zudem steht die parlamentarische Beratung erst noch bevor. Die Agrarlobby hat ihre Geschütze zur Erkämpfung weiterer Konzessionen zulasten von Steuerzahlern und Konsumenten bereits in Stellung gebracht. Das abzusehende Ergebnis? Eine hochsubventionierte Intensiv-Landwirtschaft mit zu hohen Tierbeständen sowie gewaltigen Mistbergen, Gülleflüssen und hohen Umweltbelastungen. An der grossflächigen Besprühung der Landschaft mit Gülle wird sich in den kommenden Jahren nichts ändern.