Das Wasser am Hals – aber nicht wegen dem Klima!

„Nur gerade 60 Prozent der Jugendlichen können am Ende der obligatorischen Schulzeit ordentlich rechnen.“ So berichtete die NZZaS am 26. Mai über eine grossangelegte Untersuchung. Dieser alarmierende Befund erlaubt keine starken Bilder wie die Demos unserer Klimajugend:

So wird die Leserschaft vollkommen verzerrt über die Dringlichkeit von gesellschaftlichen Problemen fehlinformiert. Der mangelhafte Bildungserfolg all der unzähligen kostspieligen Schulreformen müsste Eltern und Politik längst alarmieren. Die Zukunft unseres Landes steht auf dem Spiel. Wenn kritische Stimmen allenfalls noch schlagwortartig die „Ökonomisierung der Schule“ beklagen, fördern sie in der Öffentlichkeit falsche Assoziationen: Die Schule sei heute viel zu stark auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtet. Dabei kommt die ganze Kompetenz- und Messbarkeits-Ideologie von oben aus der überbordenden Bildungsbürokratie, die bekanntlich politisch eher linkslastig tickt.

Was den Bedürfnissen der Wirtschaft nach ihren eigenen Worten am besten dienen würde: Wenn möglichst nicht nur 60 Prozent, sondern eher 90 Prozent der Jugendlichen am Ende der Schulzeit ordentlich rechnen könnten. Und wenn Jugendliche beim Hochschuleintritt auch ordentlich schreiben könnten, was erwiesenermassen nicht der Fall ist! Wer die Grundfertigkeiten Lesen-Rechnen-Schreiben in der Jugendzeit nicht genügend geübt und gelernt hat, dem droht später im Berufsleben das Wasser zum Hals zu stehen.

Der neue Gender-Gap

In den Medien geistert ein neues Genderproblem herum: Frauen haben Männer in Sachen Bildung überholt. Sie machen mehr Maturitätsabschlüsse, erzielen höhere Durchschnittsnoten und sind an den Hochschulen in der Überzahl. Die NZZaS-Journalistin Katja Rost lässt sich über die Folgen am Heiratsmarkt aus: Immer mehr gebildete Frauen fänden keinen entsprechenden Heiratspartner mehr undsoweiter undsofort.

Die Oberflächlichkeit, mit der die Medien dieses Thema abhandeln, entspricht durchaus dem üblichen Niveau der heutigen Häppcheninformation – sogar in sogenannten Qualitätsmedien. Die Ansprüche einer Hochschulbildung hängen selbstverständlich vom gewählten Fachbereich ab. Hier nicht ganz aktuelle Daten für den Frauenanteil aus der Schweiz:


Frauen wählen überwiegend „weiche“ Fächer, Männer die „harten“. Was aus der Grafik nicht sichtbar wird: In absoluten Zahlen gibt es deutlich mehr Student(inn)en in den weniger anspruchsvollen Disziplinen als in den sogenannten MINT-Richtungen.

Die höhere Maturitätsquote von Mädchen liesse sich möglicherweise auch auf das Übergewicht von „weichen“ Fächern bereits an den Gymnasien zurückführen. Auf jeden Fall kann man keine pauschalisierenden Aussagen machen, solange man die verfügbaren Daten nicht genauer unter die Lupe genommen hat. Dafür fehlt aber den meisten Medienleuten wohl die Zeit.