Leuthards „Nudging“ für Heimferien

Es war Bundesrätin Doris Leuthards Popularität bestimmt nicht abträglich, dass sie sich im Bundesratsjet nach Abu Dhabi fliegen liess, um sich mit den „Solar Impulse“-Piloten Piccard und Borschberg medienwirksam ablichten zu lassen. Die „Weltwoche“ berechnete für den Flug von Leuthard einen CO2-Ausstoss von 80 Tonnen und schrieb dazu, Leuthards eigenes Bundesamt für Zivilluftfahrt empfehle gegen Emissionen „Reduktion der persönlichen Reisedistanzen“ und „Verzicht auf mittlere bis lange Reisen.“

Seitens der schweizerischen Tourismusbranche sind bisher keine Proteste gegen die amtliche Schubserei zu korrektem Reiseverhalten bekannt. Dabei gäbe es dafür durchaus gute Gründe, stammen doch wachsende Anteile des Gästeaufkommens im Schweizerland aus fernen Ländern mit einer stetig grösser werdenden Schicht von Menschen, die sich  –  im Gegensatz zu vielen Europäern (und Schweizern)  –  auch Ferien in der teuren Schweiz leisten können und wollen. Würden sie sich aber nach den moralingetränkten klimapolitisch korrekten Ratschlägen aus Leuthards Bundesamt für Zivilluftfahrt richten, wäre der schweizerische Tourismus die leidtragende Branche. Das ist nur ein weiteres Muster für das längst bekannte Faktum, dass sich klimapolitische Korrektheit unweigerlich in Widersprüchen verheddert, weil dogmatisches politisches Wollen komplexe Zusammenhänge der realen Welt missachtet.

Staatsbetriebe als Missionare der ökologischen Korrektheit

Kürzlich erhielt ich mein neues Halbtax-Abo von der SBB. Unten rechts auf dem Begleitschreiben stand folgender Satz:

Ihre alte Abokarte können Sie übrigens an jeder Verkaufsstelle entsorgen lassen  –  der Umwelt zuliebe.

Stellen Sie sich vor, sie fahren zum SBB-Schalter oder machen einen Umweg, um ihr altes Halbtax-Abo am SBB-Schalter abzugeben. Wie sieht dann wohl die Ökobilanz dieses Schwachsinns aus? Und entsorgt die SBB ökologischer als wenn ich die Karte einfach in den Abfall werfe, wo dann immerhin der Brennwert der Karte für die Energie-/Wärmenutzung nicht verloren geht? Ökobilanz hin oder her, darum geht es der SBB-Ökö-PR-Abteilung gar nicht. Hauptsache, der Staatsbetrieb profiliert sich als ökonomischer Missionar für die gute Sache. Auch andere Staatsbetriebe wie Post oder SRG/SRF sowie staatliche Verwaltungen machen auf solchen rein symbolischen Ökotrips munter mit  –  oft mit Zusatzkosten zulasten von Steuer- und Gebührenzahlern. So etwa, wenn Städte ihren Fahrzeugpark mit horrend teuren Elektroautos ergänzen. Man müsse mit gutem Beispiel vorangehen, heisst es dann jeweils zur Begründung. Wie wenn ein solches mit fremdem Geld finanziertes Vorbild eine besondere moralische Qualität hätte. Die wenigsten Privatpersonen können sich solche Eskapaden leisten, weil sie dafür selbst bezahlen müssen.