Die Gegner der SRG-Initiative finden die öffentlichen Auftritte von Frau Wille gegen die sogenannte Halbierungsinitiative natürlich toll und durchaus legitim. Die Anhänger von «200 Franken sind genug» kritisieren dagegen das öffentliche Engagement der SRG-Direktorin, allerdings nur inhaltlich. Die Argumente, die den Sympathisanten der Initiative aufstossen, sind medial schon ausgiebig durchdekliniert worden. Es gibt jedoch nach meiner Auffassung einen wichtigeren Grund, die öffentlichen Auftritte von Susanne Wille zu kritisieren, und zwar einen formellen.
Über Chinas Energiepolitik kursieren allerhand stereotype Floskeln. Einerseits liest man von einem enormen Zubau von Solar- und Windenergie. Auch bei der fast CO2-freien Kernenergie machen die Chinesen auf Tempo, technologisch und produktionsmässig. Anderseits wird China mit seinem massiven Zubau von Kohlekraftwerken auch immer wieder als Hauptverursacher des weltweiten CO2-Ausstosses angeprangert. Was ist nun richtig? Könnte beides zutreffen? Jüngst entdeckte ich auf einer Online-Newsplattform die neusten Daten aus dem 'Statistical Review of World Energy'.
Kürzlich erhielt Markus Schär, Historiker, Journalist und Autor, eine Mailnachricht von ETH-Professor Reto Knutti, die folgenden Passus enthält: "...diese unzähligen Emails mit Ihnen und den Herren Rentsch, Saurer, Häring, Reichmuth, etc. haben uns noch nie auch nur einen Schritt weiter gebracht. Ihr primäres Ziel scheint mir, ist Fakten zum Klimawandel und dessen Dringlichkeit zu leugnen, und die Glaubwürdigkeit von Wissenschaftlern in Frage zu stellen." Da mein Name in dieser Aufzählung erscheint, möchte ich mich dazu äussern. Ich spreche dabei nur für mich. Ich kenne Professor Knutti relativ gut, umgekehrt auch.
Während die Angst vor der "Klimakrise" fast überall von alltäglicheren Sorgen der Menschen verdrängt wird, liefert Deutschland weiterhin wundersame Gegenmuster. Am 12. Oktober war ein Volksbegehren von Fridays for Future Hamburg, dem Naturschutzbund e.V. Hamburg, dem Mieterverein zu Hamburg und der Gewerkschaft ver.di in einer Volksabstimmung erfolgreich. Danach muss das Klimaschutzgesetz derart angepasst werden, dass das Land Hamburg bis im Jahr 2040 – im Zeitraum von 15 Jahren - Klimaneutralität erreicht. Im Gegensatz zur Dienstleistungsstadt Zürich ist Hamburg mit dem Hafen die grösste Industriestadt Deutschlands.
Der bekannte US-amerikanische Unmweltwissenschafter Roger Pielke jr. weilt gerade für Vorträge, Interviews und Forschungsgespräche in Australien. In seinem Newsletter "The Honest Broker" brachte er ein typisches Muster für die Verbreitung von falschen Interpretationen von Studien der Klimaforschung durch politische Akteure und die Medien. Als politischer Akteur tritt hier Australiens Nationale Klimarisikobewertung (Australia’s National Climate Risk Assessment NCRA) in Erscheinung.
Am 10. September erschien in der renommierten Wissenschaftszeitschrift 'Nature' eine Studie der ETH Zürich (ETHZ) mit dem Titel 'Systematic Attribution of Heatwaves to the Emissions of Carbon Majors'. Am Schluss des 'Abstract' steht folgender Satz: „Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die Beweislücke zu schliessen, um die Verantwortlichkeit für historische Klimaextreme zu klären.“ Die Autoren schreiben, es gehe um die Ausweitung der Zuordnung von Klimaextremen bis zu den Emittenten, damit diese gerichtlich belangt werden können. Die grössten Emittenten bilden die Gruppe der 'Carbon Majors'.