Weshalb juble ich nicht einfach mit, wenn nun das RCP8.5-Szenario entsorgt worden ist? Die Unsicherheiten der Modellschätzungen sind so gross, dass selbst geringere Varianten der Erderwärmung als die bis über 5 Grad des RCP8.5-Szenarios Schadensfolgen haben können, mit denen man heute nicht rechnet. Umso mehr müsste die Politik eine Klimapolitik anstreben, die die knappen Ressourcen möglichst effizient einsetzt, auf Symbolpolitik verzichtet und insbesondere einen Sinn für die Opportunitätskosten von Klimaschutzmassnahmen entwickelt. Dann reiht sich die Klimaschutzpolitik, neben anderen wichtigen Weltproblemen zwingend in eine globale Prioritätenliste des Handelns.
Zu den vier Abstimmungen hatte ich meine Abstimmungsparolen in einem Blogartikel erläutert. Die Abstimmungsresultate werden jetzt rückblickend kommentiert. Zwei der Abstimmungen waren 'moralisch aufgeladen'. Das damit zusammenhängende Phänomen der wachsenden Intoleranz für gegnerische Meinungen wird anhand von US-amerikanischen Studien in einem Exkurs erörtert.
Am 10. September erschien in der renommierten Wissenschaftszeitschrift 'Nature' eine Studie der ETH Zürich (ETHZ) mit dem Titel 'Systematic Attribution of Heatwaves to the Emissions of Carbon Majors'. Am Schluss des 'Abstract' steht folgender Satz: „Unsere Ergebnisse tragen dazu bei, die Beweislücke zu schliessen, um die Verantwortlichkeit für historische Klimaextreme zu klären.“ Die Autoren schreiben, es gehe um die Ausweitung der Zuordnung von Klimaextremen bis zu den Emittenten, damit diese gerichtlich belangt werden können. Die grössten Emittenten bilden die Gruppe der 'Carbon Majors'.
Bei der Abstimmung über Doris Leuthards Energiegesetz im Mai 2017 wurde der Bevölkerung ein weitgehend autarkes Energiesystem vorgegaukelt. In der Bevölkerung sind Autarkieträume verbreitet, auch beim Thema Energie. Mein Fazit gleich vorweg: Grüne Energiepolitik bedeutet nicht Autonomie – ganz im Gegenteil. Dazu hatte ich meine Argumente bereits vor rund drei Jahren in einem Artikel in der Weltwoche dargelegt. Heute ergänze ich diesen mit zwei neuen ausländischen Stimmen.
Da flattert mir heute, wie von der Vorsehung gesendet, das neuste Enegiejournal von „energieschweiz“, der Propaganda-Plattform des Bundesrats für die Energiewende, ins Haus. Im publizierten Interview spricht Energieminister Albert Rösti, Chef des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation UVEK, eines der Grundprobleme schweizerischer Politik an: „Seit 2011 diskutieren wir über die Energiewende, nun wäre es an der Zeit, die Beschlüsse umzusetzen..." Express auf einem Irrweg? Lieber nicht.
Immer deutlicher zeigt sich der Irrweg, auf den die Schweiz mit der Fukushima-Leuthard-Energiewende mit Atomausstieg eingeschwenkt ist. Inzwischen ist gemäss einer neuen repräsentativen Umfrage, die das Umfrageinstitut Sotomo für die Zeitung "Blick" durchführte, mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten für einen Ausstieg aus dem Atomausstieg. Das Projekt Energiewende basierte seit Beginn auf wackeligen bis unrealistischen Annahmen.